Lange Nägel und Touchscreens waren schon immer ein Widerspruch. Doch eine neue Entwicklung in der kosmetischen Chemie könnte das bald ändern. Forscher haben einen experimentellen Nagellack entwickelt, der es Fingernägeln ermöglicht, Berührungen elektronischer Geräte zu registrieren und sie so in integrierte Stifte zu verwandeln.
Das Problem mit Touchscreens und nichtleitenden Materialien
Moderne Touchscreens basieren auf einer dünnen Schicht aus elektrisch leitendem Material, um Eingaben zu erkennen. Wenn ein leitfähiger Gegenstand, beispielsweise eine Fingerspitze, das elektrische Feld des Bildschirms stört, registriert das Gerät dies als Berührung. Materialien wie Fingernägel oder Handschuhe leiten jedoch keinen Strom und sind daher nicht in der Lage, den Bildschirm zu aktivieren. Für diejenigen, die längere Nägel bevorzugen, ist dies seit langem ein Frust.
Wie Manasi Desai, ein Bachelor-Forscher am Centenary College of Louisiana, betont: „Es ist wirklich schwer, sein Telefon zu benutzen“, wenn man gezwungen ist, mit den Fingerkuppen statt mit den Nägeln zu tippen. Die Änderung des Tippwinkels kann sogar zu Fehlern führen, bis der Benutzer sich daran gewöhnt.
Die Lösung: Mit Taurin und Ethanolamin angereicherter Nagellack
Desai fand zusammen mit ihrem Berater Joshua Lawrence, einem metallorganischen Chemiker, eine Lösung, indem sie im Handel erhältlichen klaren Nagellack bestimmte Verbindungen hinzufügte. Zwei Zusatzstoffe – Ethanolamin und Taurin – führten jeweils zu einer Formulierung, die bei Anwendung in kleinen Mengen Touchscreens aktivieren konnte.
Insbesondere ist Taurin ein natürlich vorkommendes Nahrungsergänzungsmittel, das potenzielle Toxizitätsprobleme verringert. „Eines unserer Hauptziele war es, es klar und farblos zu machen, damit Sie es auf jede Maniküre oder sogar auf Ihre nackten Nägel auftragen können“, erklärt Desai.
Wie es funktioniert: Ladungsübertragung durch Säure-Base-Chemie
Der modifizierte Lack scheint durch Säure-Base-Chemie zu wirken, allerdings sind weitere Untersuchungen erforderlich. Die Zusatzstoffe tauschen wahrscheinlich Protonen aus, wenn sie mit dem elektrischen Feld des Bildschirms in Kontakt kommen, und erzeugen so genügend Ladung, um als Berührung registriert zu werden.
Herausforderungen und zukünftige Richtungen
Obwohl die aktuelle Formel vielversprechend ist, ist sie noch nicht für den kommerziellen Einsatz bereit. Beim Auftragen einer dünnen Schicht auf einen Fingernagel bleibt nicht genügend leitfähiges Material zurück, um den Bildschirm zuverlässig zu aktivieren. Die Forscher planen, die Leistung der Formel zu verbessern, indem sie die Taurinkonzentration im Nagellack erhöhen.
„Das ist enorm, denn es zeigt, dass funktionelles Verhalten unsichtbar in alltägliche Kosmetikmaterialien eingebettet werden kann“, sagt Shuyi Sun, ein Informatiker, der sich mit kosmetischen Biosensoren beschäftigt.
Diese Entwicklung zeigt, wie Alltagsmaterialien so konstruiert werden können, dass sie auf neue Weise mit der Technologie interagieren. Die Zukunft von Touchscreens könnte bald die Möglichkeit beinhalten, auch mit langen Nägeln bequem zu tippen.





















