Die neue Verfilmung von Andy Weirs „Project Hail Mary“ bietet ein actiongeladenes Weltraumabenteuer, aber wie schlägt sich die Wissenschaft? Zwei Wissenschaftsjournalisten, Tina Hesman Saey und Carolyn Gramling, analysierten die Konzepte des Films, von sonnenfressenden Mikroben bis hin zur außerirdischen Materialwissenschaft, und fanden eine Mischung aus plausibler Extrapolation und reiner Science-Fiction-Erfindung. Diese Analyse schlüsselt die Schlüsselelemente auf und trennt Fakten von Fiktionen.
Die Astrophage-Bedrohung: Eine plausible, beschleunigte Krise?
Die zentrale Prämisse von „Project Hail Mary“ dreht sich um Astrophagen – fiktive Mikroorganismen, die die Energie von Sternen verbrauchen und diese verdunkeln. Der Film legt nahe, dass ein Rückgang der Leuchtkraft um 10 % in 30 Jahren eine Eiszeit auf der Erde auslösen könnte. Während die Helligkeit der Sonne im Laufe der geologischen Zeit schwankte, wurden vergangene Eiszeiten eher durch Umlaufbahnverschiebungen und die Achsenneigung der Erde als allein durch die Sonneneinstrahlung bestimmt.
Eine Abschwächung um 10 % würde den Planeten abkühlen, aber die Schwere hängt von mildernden Faktoren wie atmosphärischen Treibhausgasen ab. Die schnelle Wirkung der Astrophagen – ein Rückgang um 10 % in Jahrzehnten – wird im Vergleich zu natürlichen Sonnenschwankungen, die typischerweise über Milliarden von Jahren auftreten, dramatisch beschleunigt. Ein Journalist betont: „Science-Fiction beschleunigt die Dinge gern, um eine dramatische Wirkung zu erzielen.“
Leben unter extremen Bedingungen: Mikroben zur Rettung?
Der Film geht davon aus, dass Astrophagen sowohl in der Hitze der Sterne als auch im rauen Vakuum des Weltraums gedeihen. Während Erdorganismen in extremen Umgebungen überleben können (Moossporen im Weltraum, Archaeen in kochendem Wasser), ist aktives Leben unter solchen Bedingungen beispiellos. Mikroben sind bemerkenswert widerstandsfähig, aber um zu überleben und sich zwischen Sternen auszubreiten, ist eine Biologie erforderlich, die über das derzeitige Verständnis hinausgeht.
Wie Weir selbst feststellt, liegen die wahren Wunder des Lebens in einzelligen Organismen, die sich an nahezu jede Umgebung anpassen können. Die Fähigkeit der Astrophagen, bei extremer Hitze, Kälte, Vakuum und Druck zu funktionieren, ist höchst spekulativ, aber nicht völlig unmöglich.
Xenonit: Science-Fiction-Material oder theoretische Physik?
Der Film stellt Xenonit vor, ein Material aus Xenon (einem Edelgas), das leicht manipuliert werden kann. Edelgase sind chemisch inert und verbinden sich nicht leicht zu festen Strukturen. Die Herstellung von festem Xenon erfordert extreme Kälte (-111,79 °C) oder Drücke (140 Gigapascal – entspricht dem Druck im Erdmantel).
Die Darstellung von Xenonit als formbarem, leicht formbarem Material im Film ist ein klares Beispiel für Science-Fiction-Erfindungen. Während Wissenschaftler Xenon unter extremen Bedingungen kristallisiert haben, bleibt seine praktische Anwendung als Baumaterial weitgehend im Bereich der Spekulation.
Das Urteil: Eine lustige, aber weit hergeholte Prämisse
„Project Hail Mary“ verbindet wissenschaftliche Plausibilität mit fantasievoller Freiheit. Die Bedrohung durch Astrophate ist zwar übertrieben, beruht jedoch auf echten Bedenken hinsichtlich der Sternvariabilität und dem Potenzial für extreme Lebensformen. Der Xenonit ist allerdings reines Technogeschwätz.
Die Kernbotschaft des Films – dass mikrobielles Leben der Schlüssel zum Überleben kosmischer Bedrohungen sein könnte – ist faszinierend. Dennoch bleiben die Geschwindigkeit und die Bedingungen, die für die Astrophage-Krise erforderlich sind, fest im Bereich der Science-Fiction verankert. Letztendlich stellt „Project Hail Mary“ das Spektakel über strenge wissenschaftliche Genauigkeit und macht es zu einem unterhaltsamen, aber nicht ganz realistischen Weltraumabenteuer.
