Myopie-Anstieg im Zusammenhang mit Wohngewohnheiten und verringerter Lichtexposition

0
8

Weltweit steigt die Myopierate (Kurzsichtigkeit) alarmierend schnell an, und neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Wahl des modernen Lebensstils – insbesondere die längere Zeit, die man drinnen verbringt – ein wesentlicher Faktor sein könnte. Eine Studie des College of Optometry der State University of New York (SUNY) weist auf einen überraschenden Mechanismus hin: eine verringerte Lichtexposition auf der Netzhaut bei Nahaufnahmen und nicht nur bei der Zeit vor dem Bildschirm.

Die Rolle von Licht und Pupillenverengung

Die Forscher führten Labortests mit 34 Teilnehmern durch und verglichen Personen mit und ohne Kurzsichtigkeit. Sie fanden heraus, dass die Augen kurzsichtiger Personen bereits eine stärkere Einwärtsdrehung und eine ausgeprägtere Pupillenverengung aufweisen, bevor sie auf Objekte in der Nähe fokussieren. Diese Kombination scheint einen entscheidenden Netzhautweg (den ON-Weg) zu schwächen, der für die Lichtverarbeitung verantwortlich ist, wodurch eine Rückkopplungsschleife entsteht, die den Zustand möglicherweise verschlimmert.

Die wichtigste Erkenntnis ist, dass Kontrast, nicht nur Helligkeit diesen Effekt auslöst. Beim Fokussieren auf nahe Objekte in Innenräumen verengen sich die Pupillen, um die Bilder zu schärfen. Bei schwachem Licht wird dadurch jedoch die Lichtmenge, die die Netzhaut erreicht, deutlich reduziert. Dies steht im Gegensatz zu hellen Außenbedingungen, bei denen sich die Pupillen verengen, um das Auge zu schützen und dennoch ausreichend Licht hereinzulassen.

Wie die Physiologie des Auges zur Myopie beiträgt

Myopie entsteht, wenn der Augapfel zu lang wird und die Bilder sich fokussieren, bevor sie die Netzhaut erreichen. Die SUNY-Studie legt jedoch nahe, dass Lichtmangel bei Nahaufnahmen diesen Prozess verschlimmern kann. Die Forscher nehmen an, dass das Auge bei schlechten Lichtverhältnissen der Fokussierung Vorrang vor der Helligkeit einräumt, was zu einer Überkompensation und einer Verschlechterung der Kurzsichtigkeit führt.

Dies wirft auch Fragen zur Verwendung starker Korrekturlinsen auf, die die Lichteinwirkung auf die Netzhaut weiter reduzieren können. Das Team geht davon aus, dass sich bei Kindern mit unzureichender Netzhautstimulation eine Kurzsichtigkeit entwickeln kann, was darauf hindeutet, dass Interventionen erforderlich sind, die über die bloße Reduzierung der Bildschirmzeit hinausgehen.

Einschränkungen und zukünftige Forschung

Die Studie erkennt Einschränkungen an, darunter eine kleine Stichprobengröße und das Fehlen einer Langzeitverfolgung. Die Ergebnisse basieren auf fundierten Vermutungen, die durch Outdoor- und Indoor-Vergleiche und Längsschnittstudien weiter validiert werden müssen. Dennoch bietet die Forschung einen neuen Rahmen zum Verständnis der steigenden Myopieraten, von denen bis 2050 voraussichtlich fast 40 % der jungen Menschen betroffen sein werden.

„Dies ist keine endgültige Antwort, sondern eine Hypothese, die auf messbarer Physiologie basiert und viele Teile bestehender Beweise zusammenführt.“ – Jose-Manuel Alonso, visueller Neurowissenschaftler.

Die Studie bietet keine unmittelbaren Lösungen, unterstreicht jedoch die Bedeutung des Verständnisses der physiologischen Mechanismen hinter Myopie und legt nahe, dass die Optimierung der Lichtexposition bei der Arbeit in der Nähe von entscheidender Bedeutung für die Prävention und Behandlung sein kann.