Neu geschlüpfte Zikaden stolpern nicht zufällig auf Bäume zu, nachdem sie aus dem Boden aufgetaucht sind. Stattdessen verlassen sie sich auf eine einfache, aber effektive Strategie: Sie folgen den Schatten. Forscher veröffentlichten kürzlich in The American Naturalist, dass regelmäßig erscheinende Zikaden Hinweise auf Dunkelheit nutzen, um Baumstämme mit bemerkenswerter Präzision zu lokalisieren. Dieses als Skototaxis bekannte Verhalten kommt in der Insektenwelt weitaus häufiger vor als bisher angenommen.
Der 17-Jahres-Zyklus und die instinktive Navigation
Periodisch auftretende Zikaden wie Brood XIII verbringen bis zu 17 Jahre unter der Erde, bevor sie massenhaft auftauchen. Wenn sie als flügellose Nymphen auftauchen, wandern sie nicht ziellos umher; Sie machen sich sofort auf den Weg zum nächsten Baum.
Die Forscher beobachteten, dass sich die Insekten mit minimaler Abweichung direkt auf Baumstämme zubewegten, was auf eine vorprogrammierte Navigationsreaktion schließen lässt. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da die Nymphen auf Bäume klettern müssen, um sich zu geflügelten Erwachsenen zu entwickeln.
Experimenteller Beweis: Das Blockieren der Sicht beeinträchtigt die Navigation
Um zu bestätigen, dass Dunkelheitssignale dieses Verhalten auslösen, blockierten Forscher am Lake Forest College vorübergehend die Facettenaugen und Lichtsinnsorgane neu geschlüpfter Nymphen. Ohne die Fähigkeit, den Kontrast zwischen Hell und Dunkel zu erkennen, wanderten die Insekten wahllos umher und schafften es nicht, Bäume zu erreichen.
Im Gegensatz dazu bewegten sich Kontrollgruppen mit freier Sicht schnell und direkt auf nahe gelegene Stämme zu. Weitere Tests ergaben, dass Nymphen mit überwältigender Mehrheit dunklere Oberflächen gegenüber helleren bevorzugten, selbst wenn sie vor eine einfache Wahl gestellt wurden.
Von den 32 getesteten Nymphen krochen 28 in Richtung der dunkleren Option, was bestätigt, dass Skototaxis der primäre Navigationsmechanismus ist.
Skototaxis: Eine weit verbreitete Überlebensstrategie
Dieser Instinkt ist nicht nur bei Zikaden zu finden. Skototaxis wird bei einer Vielzahl von Insekten beobachtet, darunter Grillen, Käfer, Ameisen und sogar Wasserbienen.
Forscher der Michigan State University haben kürzlich herausgefunden, dass auf dem Wasser gestrandete Honigbienen auch in Richtung dunklerer Bereiche schwimmen und dabei Helligkeitsunterschiede nutzen, um trockenes Land zu finden.
Die Verbreitung dieses Verhaltens legt nahe, dass es sich um eine grundlegende Überlebensstrategie für Insekten in verschiedenen Umgebungen handelt.
Warum das wichtig ist: Eine Wissenslücke schließen
Während Entomologen dieses nach Dunkelheit suchende Verhalten seit Jahren beobachten, fehlten experimentelle Beweise. Gene Kritsky, ein Zikadenexperte, gibt zu, dass ihm die Idee, Skototaxis offiziell zu untersuchen, bisher noch nicht gekommen sei. Die neue Studie füllt diese Lücke und beweist, dass es eine gute Idee ist, den Schatten zu folgen, wenn das Überleben davon abhängt.
Die Forschung zeigt, wie selbst scheinbar einfache Verhaltensweisen tief in den Instinkten von Tieren verwurzelt sein können und ohne bewusstes Nachdenken zum Überleben führen.
Diese Entdeckung unterstreicht die Kraft grundlegender Instinkte in der natürlichen Welt. Skototaxis ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Evolution die Überlebensstrategien von Insekten geformt hat und es ihnen ermöglicht, auch bei schlechten Lichtverhältnissen effektiv zu navigieren.
