Basso Continuo war nicht nur Hintergrundgeräusch. Es war ein struktureller Motor für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Betrachten Sie es als ein System teilweise improvisierter Begleitung. Ein Keyboarder, meist an einer Orgel oder einem Cembalo, füllte die Lücken. Sie haben nicht jede einzelne Notiz gelesen. Sie lasen eine Basslinie und fanden den Rest heraus.
Dies war etwa zwei Jahrhunderte lang die Norm. Lediglich die Basslinie wurde ausgeschrieben. In älteren Texten wurde es „Vollbass“ genannt. Das verschaffte dem Keyboarder erheblichen Spielraum. Sie mussten die harmonischen Implikationen erkennen. Sie suchten im Diskantteil nach Hinweisen. Dann bauten sie die Harmonie darunter auf.
Ein Instrument mit tiefer Melodie verdoppelte oft den Bass. Viola da Gamba. Cello. Fagott. Jeder von ihnen könnte das Fundament stärken. Aber der Keyboarder hatte zusätzliche Hilfe. Über den Bassnoten erschienen Figuren. Das war eine musikalische Abkürzung. Es verriet dem Spieler die Intervallstruktur der Akkorde.
Die monodische Revolution und warum sie wichtig war
Dieser Stil ist nicht aus dem Nichts entstanden. Es war eine logische Weiterentwicklung der monodischen Revolution um 1600. Komponisten wollten die Vorherrschaft des Diskanttons verkünden. Sie lehnten die strukturelle Homogenität der Polyphonie der Renaissance ab. Vielstimmige Musik wurde in die Hände eines Instrumentalisten gelegt.
Die Konsequenzen waren unmittelbar. Sowohl die geistliche als auch die weltliche Musik veränderten sich. Agostino Agazzari bemerkte diese Verschiebung schon früh. Er veröffentlichte 1607 ein Handbuch mit dem Titel „Del sonare sopra ’l basso“*. Es handelte sich im wahrsten Sinne des Wortes um eine Anleitung zum Spielen des Generalbasses.
J.S. Bach und der Höhepunkt der Improvisation
Nicht jeder betrachtete dies als Abkürzung. J.F. Daube schrieb in General-Bass (1756), dass J.S. Bach brachte diesen Stil auf seinen Höhepunkt.
„Er verstand es, einen Punkt der Nachahmung sowohl in der rechten als auch in der linken Hand so genial einzuführen und ein so unerwartetes Gegenthema einzubringen, dass der Zuhörer geschworen hätte, alles sei mit sorgfältigster Vorbereitung in dieser Form komponiert worden.“
Basso Continuo war nicht nur eine praktische Abkürzung. Es sorgte für zusätzliche Würze. Es lud zur spontanen Improvisation ein. Der Darsteller nutzte seine Kreativitätsfähigkeit in Echtzeit.
So funktioniert die Generalbass-Notation
Um die bezifferte Bassnotation zu verstehen, ist ein Perspektivwechsel erforderlich. Die Intervalle werden vom Bass aufwärts gezählt. Nehmen Sie das Beispiel von 7/3 über G.
Dies weist auf einen auf G aufgebauten Akkord hin. Er enthält eine Septime (G bis f) und eine Terz (G bis h). Die implizite Quinte ist d. Sie erhalten also G–b–d–f.
Der Darsteller kann den Abstand manipulieren. Normalerweise spielen sie aber nicht über den Solopart hinaus. Die Zahlen bleiben minimal. Sie geben nur die charakteristischsten Intervalle an. Vorzeichen sind wichtig. Nicht implizite scharfe, flache oder natürliche Zeichen werden markiert.
Normalerweise werden nur Hauptharmonien angegeben. Vorübergehende Harmonien werden übersprungen. Der Darsteller fügt selbst Passnotizen hinzu.
Von einfachen zu komplexen Erkenntnissen
Die Umsetzung des Basso Continuo variiert stark. Es kann eine einfache Harmonisierung sein. Oder es kann eine umfassende Auseinandersetzung mit Harmonie und Kontrapunkt sein.
Für eine „vollständige Begleitung“ sind möglicherweise so viele Noten erforderlich, wie die Finger bewältigen können. In diesen dichten Fällen wird auf die Regeln für aufeinanderfolgende Quinten verzichtet. Diese Ausnahme gilt nur für die beiden Außenteile. Die unteren und oberen Stimmen haben mehr Freiheit. Die inneren Stimmen bleiben fester.
Es war ein Tanz zwischen Struktur und Freiheit. Die Basslinie bildete das Grundgerüst. Der Keyboarder lieferte das Fleisch. Die Zuhörer hörten ein fertiges Produkt. Die Improvisationsmaschinerie dahinter sahen sie selten. Deshalb wirkten Bachs Kontrapunkte so vorsätzlich. Das waren sie gewissermaßen. Aber das waren sie auch nicht.

















